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Kanada: Vancouver

Downtown Vancouver von der Cambie Street

11.6.2012

So einfach sich das Verlassen des südamerikanischen, so kompliziert gestaltet sich die Einreise auf den nordamerikanischen Kontinent, denn wir kommen aus Kolumbien. Eigentlich sind wir Transitgäste, denn wir wollen nach Kanada, aber die US-Amerikaner bestehen darauf, dass wir nach USA einreisen und wieder ausreisen. Wir kommen aus Medellin und sind jetzt in Miami, sind also von einem Drogenzentrum ins nächste Drogenzentrum gereist! Ewiges Warten in unübersehbaren Schlangen, dann die bei den Amis übliche Prozedur: Scannen der rechten Hand, der linken Hand, optischer Abgleich der Iris, eingehende Befragung, danach ab zum Zoll. Der Drogenhund läuft durch die Reihen. Jetzt geht’s durch den Körperscanner, Leibesvisitation, wobei die Bereiche die im Scanner markiert waren eingehender untersucht werden. Sodann erfolgt eine Spezialbehandlung, die ich bis dahin noch nicht kannte: Von beiden Handflächen werden mir mit einer Art feuchtem Löschpapierstreifen Proben entnommen, die danach in einem Photometer auf Heroin, Kokain und noch drei weitere Substanzen einem Schnelltest unterzogen werden. Trotz all dieser Maßnahmen gelingt es uns den Anschlussflug nach Houston zu erreichen. Ziemlich geschafft landen wir nach 21 Stunden an unserem Ziel Vancouver, wo unser Moto hoffentlich schon ungeduldig auf uns wartet. Wir nehmen ein Taxi zum etwa 3-4 km entfernten Airport-Hotel. Über den Preis von 14 Kanad. $ sind wir weniger überrascht als über die Frage des Taxifahrers, dem ich einen Zwanziger gereicht habe, ob ich „Change“ möchte. Ich will! Mittlerweile wissen wir, dass das hier keine unübliche Frage der Dienstleister ist. Im Restaurant sind 15 bis 20% Tip üblich!

12.6.2012

Guter Dinge, in Motorad-Klamotten, fahren wir zum Flughafen um zu erfahren wo wir das Moto abholen können. Man verweist uns zum Cargo-Center, wir sollen es mal bei Air Canada Cargo versuchen. Dort legen wir unser Papier vor. Der Angestellte hinterm Schalter forscht in den Tiefen seines PCs, scheint aber nicht fündig zu werden. Er holt Robert, eine kompetente Hilfe und offensichtlich sein Vorgesetzter. Auch der kommt nicht weiter. Als er den Schlüsselanhänger mit dem BMW-Logo sieht ist er ganz begeistert. Er ist stolzer Besitzer einer 1150er und wie ich auch im gleichen amerikanischen BMW-Motorrad-Club. Das verbindet und spornt ihn zu wirklichen Höchstleistungen an. Obwohl Air Canada Cargo mit dem Transport meines Motos nichts zu tun hat findet er nach langwierigen Telefonaten heraus, dass das Motorrad zwar von Medellin bis Miami per Luftfracht unterwegs war, danach aber auf einen Truck verladen und nach Toronto geschickt wurde. Von dort soll es auf die 4 400 km lange Reise nach Vancouver geschickt werden. Motorräder gelten als „Dangerous Goods“ und dürfen daher innerhalb der USA nicht per Luftfracht transportiert werden, was ich bis dahin nicht wusste. Die Logik dieser Bestimmung will sich mir nicht erschließen zumal ja das Moto auf dem Luftweg nach Miami gelangt war! Aber was ist nach „Nine / Eleven“ in diesem Land schon logisch? Auf diese Weise hat unser Moto mit 6 800 km schon mehr Kilometer in Nordamerika zurückgelegt als wir! Da das Taxifahren auch ohne 25% Tip hier wirklich teuer ist haben wir uns einen Leihwagen zugelegt. Gott sei Dank ist die Versicherung für das Auto in meiner Mastercard enthalten, denn die wäre fast genauso hoch wie die Miete! Sehr überrascht sind wir als wir am Nachmittag eine Mail von Robert von Air Canada bekommen mit der er uns zu sich nach Hause und anschließend zum Essen an die Waterfront einlädt. Mit Freuden folgen wir am nächsten Tag dieser Einladung.

13.6.2012

Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt holt Robert uns am Hotel ab um uns zu sich nach Hause zu bringen, wo Wendy seine Frau uns auf’s Herzlichste empfängt. Auf der Terrasse ihres Hause sitzen wir bei einem Glas Wein und lassen den herrlichen Ausblick auf die Skyline von Vancouver Downtown und den davor liegenden False River auf uns wirken. Später machen wir einen kleinen Spaziergang zur Waterfront, wo wir in einem sehr hübschen Lokal den fantastisch zubereiteten Halibut geniessen, zu dem kanadischer Chardonay  gereicht wird. Thank you so much Wendy and Robert, it was the perfect start into our adventure North America!

15.6.2012

Mittlerweile haben wir aus dritter Hand erfahren, dass unser Moto vermutlich am Montag hier eintrifft, natürlich nicht in Vancouver sonder in Surrey. Das ist etwa 30 km von Vancouver entfernt mutet aber eher an wie ein Stadtteil. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden fahren wir dorthin, damit am Montag Alles ganz flott gehen kann. Angela, die Mitarbeiterin, erklärt uns, dass wir mit den Transportpapieren, die wir von ihr bekämen zum Zoll nach Vancouver Downtown fahren müssten um uns dort einen Stempel zu holen. O.k., we stay tuned! Also fahren wir zum Zoll. Dort erklärt mir der Beamte, dass ich am Montag, wenn das Bike da ist ein Attest bräuchte, dass die Reifen desinfiziert wurden, da es aus Südamerika käme! Das bekäme ich bei der Speditionsfirma, kann aber 1-2 Tage dauern. Es rührt ihn nicht, dass ich soundso neue Reifen aufziehen lasse. Und für die Zollformalitäten brauche ich auch einen Termin! Am Mittwoch habe ich einen Service- und Reifenwechsel-Termin bei BMW. Ob das so hinhaut? Zumindest kennen wir jetzt unsere Anlaufstellen. Da wir schon mal Downtown sind stellen wir unser Auto in einer Tiefgarage ab um Chinatown zu besuchen. Dort gibt es weder ein Kassenhäuschen noch eine Schranke. Eine einheimische Autofahrerin zeigt mir einen Automaten an dem man eingeben kann wie lange man geparkt hat. Oder auch nicht! Man kann auch völlig unbehelligt davon fahren. Man vertraut hier ganz offensichtlich auf die Ehrlichkeit der Leute, ebenso wie im Supermarkt, wo es Selbstbedienungskassen gibt, an denen man sein Waren selbst scannt, mit Kreditkarte bezahlt und dann ohne weitere Kontrolle das Geschäft verlässt. Ich weiß nicht ob das bei uns funktionieren würde. Welch ein Unterschied zu Südamerika wo jeder Artikel, der ein wenig teurer ist noch einmal extra verplombt ist.

Downtown

Downtown, International Village

Chinatown

„Seidenstraße“

chinesischer Garten

unser Vancouver-Vehicle

Totempfahl im Stanley Park, Vancouver

Totempfähle, Stanley Park

Sequoia-Stamm im Stanley Park

Granville Island gegenüber Downtown Vancouver

Ronan Boyle, Künstler aus Vancouver

waiting for the bike

18.6.2012

Ungeduldig warten wir auf den Anruf von Angela einer Mitarbeiterin der Spedition Vitran, dass unser Moto da sei, denn ohne diese Papiere kann ich kein „Appointment“ beim Zoll machen. Nachdem sie bis 10 Uhr nichts von sich hören lässt, beschließe in das 25 km entfernte Surrey zu fahren, denn das ist immer besser als zu telefonieren. Es scheint ein heißes Wochenende gewesen zu sein, denn Angela erscheint erst um 12 Uhr zum Dienst. Es dauert über 2 Stunden bis sie alle Papiere zusammen gestellt hat, die wir für den Zoll brauchen. Geduldig warten wir im Vorraum und beobachten das geschäftige Treiben der LKW-Fahrer, die ihre Ladepapiere abholen oder abgeben. Einer, der zum zweiten Mal hereinkommt, schaut uns fragend an..“hey guys, do you have troubel?“, als er zum 3. Mal erscheint …“you must have big troubel!“ beim 4. Mal …“ are you looking for a job?“ Na ja, jedenfalls vertreibt uns das ein wenig die Zeit. Irgendwann haben wir die erforderlichen Papiere zusammen mit denen wir dann umgehend zum 40 km entfernten Zollamt nach Downtown fahren. Eigentlich sollten wir ja ein „Appointment“ ausmachen, aber auch hier denke ich ist es besser einfach persönlich vorbeizugehen. Zwar fragt man uns ob wir einen Termin hätten, aber als wir etwas ratlos schauen nimmt man uns auch ohne dran. Zum Glück geraten wir an eine sehr nette Beamtin, die unsere Zeitnot erkennt und uns verspricht  am nächsten Tag zwei Zollbeamte zum „Soil-Exam“ (Schmutzkontrolle) der Reifen zur Spedition zu schicken. Danach könnten wir das Bike dann mitnehmen. Wir sind überglücklich, denn wir haben mit einer weiteren Verzögerung von 3-4 Tagen gerechnet. Als wir am Nachmittag wieder am Hotel eintrudeln, – eine Riesenüberraschung. Eine BMW 1200 Adventure mit Landshuter Kennzeichen steht vor dem Hotel. Kathy und Paul, auch auf einer Tour durch USA in Richtung Alaska unterwegs, sind zu Besuch in Vancouver eingetroffen.

Überraschung am Nachmittag, Paul nach südamerikanischer Sitte im Parkverbot

Abends waren wir dann nach einem Bummel durch „Granville Island“ im angesagten Speiselokal „Edible“ (geniessbar) und ließen uns „Halibut“ und „Salmon“ schmecken.

Abendessen im „Edible“

19.6.2012

Heute ist der große Tag. Gegen Mittag macht der Zoll sein „Soil Exam“ (Schmutzprobe) und danach können wir unser Moto endlich in Empfang nehmen.

endlich!

Auspacken unter tätiger Hilfe von Truckern und Wiederbelebung des Motos (Luft, Batterie…)

Danach zu BMW zum 40 000er Service und Reifenwechsel um die „canadian-alaskan Challenge“ besser bestehen zu können.

20.6.212

Nach dem Frühstück reisen Kathy und Paul, die uns das Warten auf’s Moto auf angenehmste Weise verkürzt haben leider wieder ab in Richtung Vancouver Island. Danke ihr Beiden es waren zwei wunderschöne Tage mit Euch.

Abschied

ab in Richtung Vancouver Island

zum Trost können wir heute Nachmittag unser Moto endgültig wieder in Besitz nehmen. Neue Zündkerzen, neue Reifen, Alles perfekt, es läuft wie am Schnürchen!

sogar noch gewaschen, jetzt kann’s losgehen

 

 

3 Kommentare

  1. Patric Sperling

    Seht`s positiv – kann ja eigentlich nur besser werden!

    LG,
    PTPS

  2. Fritz Kastellan

    Lieber Herr Dr. Sperling,
    verehrte Frau Sperling,

    auch wenn für Sie die Einreise nach Amihausen nicht zum Lachen war, so habe ich doch ein wenig geschmunzelt. Können Sie sich vorstellen, was wir bei jeder Einreise über uns ergehen lassen müsssen, da im österreichischen Pass meiner Frau als Geburtsort: Tripolis/Libyen steht?? Das gleicht schon einer Schikane, welches wir in wenigen Tagen wieder einmal durchstehen müssen. Hoffe, daß Sie nun endlich wieder an Ihr Moped kommen, damit es weitergehen kann. Noch gute Nerven und viel Spaß im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

    Ihr Fritz Kastellan und Familie

  3. Helmut Schmidt

    Lieber Herr Dr. Sperling,
    liebe Frau Sperling,

    mit Vergnügen haben meine Frau und ich heute Ihre Kanadaberichte gelesen, wo wir auch z.Zt,. allerdings mit einem Miet-SUV, unterwegs sind. Wir befahren ab morgen den Icefield Parkway durch den Banff-Nationalpark. Wir wünschen Ihnen noch eine gute Reise auf Ihrem weiteren Weg nach Norden mit vielen interessanten Erlebnissen.

    Helmut und Renate Schmidt
    Röttenbach

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