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Kanada: British Columbia & Yukon Territory

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21.6.2012                                                     Kilometerstand: 39 709 km                                          Höhe:       12 m

Endlich geht’s wieder weiter! Auf dem Highway 99, der mitten durch Downtown und den Stanley Park führt, verlassen wir über die Lions  Gate Bridge Vancouver bei ungewöhnlich schönem Wetter. Hinter der Skyline von Vancouver begrüßen uns im Norden die schneebedeckten Berge von Whistler, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Der Sea-to-Sky Highway, wie er etwas poetischer heißt, windet sich als 4-spurige Straße entlang der Ostküste mit spektakulären Ausblicken auf Horseshoe Bay und Howe Sound hinauf in die Berge. Laut Beschreibung der „Milepost“ fahren wir durch eine „high rainfall area“, aber Dank der guten Beziehungen von Wendy und Robert zu Petrus (siehe Kommentar unten) ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen und die Temperaturen steigen im Verlauf des Tages auf satte 28°C! Die Straße führt entlang eines engen Tales, eigebettet zwischen steilen Felsen. Gelegentlich gibt der dichte Wald den Blick frei auf wunderschöne Seen in unwirklichem Grün oder auch auf ungestüm talwärts rauschende Bergflüsse.

Völlig unerwartet steht plötzlich am Straßenrand ein Schwarzbär, der offensichtlich auf die andere Seite wechseln will. Als der unser „3-äugiges Ungeheuer“ nahen sieht und hört, disponiert er um und verschwindet im Schweinsgalopp im nahen Wald, noch bevor wir die Kamera zücken können. Kurz darauf können wir den 40 000sten Kilometer unseres Motos feiern, den es klaglos abspult wie auch alle anderen zuvor, im Gegensatz zum Navi, das heute endgültig seinen Geist aufgegeben hat. Es wird zwar auf Garantie ersetzt, aber davon habe ich im Augenblick nichts. Jetzt wird eben wieder nach alter Väter Sitte von Hand navigiert!

40 000 km, zur Feier des Tages hat Edith Blumen besorgt!

Sich an die rigiden Tempolimits hier in Kanada zu halten ist nicht immer ganz einfach, vor allem wenn man zuvor 8 Monate in Südamerika unterwegs war. Auf freier Strecke darf man meist 90 km/h fahren, in kurvigeren Bereichen oft nur 60, manchmal auch nur 40 oder 30 km/h. Als hinter mir ein schwarzer Van mit Rot- und Blaulicht und „Musik“ auftaucht, mache ich artig Platz, aber er überholt nicht, sondern bleibt mit heulender Sirene hinter mir. Ich kann es gar nicht fassen, aber er meint tatsächlich mich! Ich sei in einer 70er Zone 95 km/h gefahren meint der Sheriff. Nachdem er mich über die Gefahren der Straße aufgeklärt hat, erkläre ich ihm, dass es auf unseren Autobahnen in Deutschland kein Tempolimit gäbe. Davon habe er auch schon gehört und deshalb belässt er es bei einer Verwarnung. Als ich mich auf den nächsten Kilometern strikt an das Tempolimit halte werde ich ständig von anderen Autos überholt, weshalb meine „guten Vorsätze“ auch nicht lange vorhalten.

kurze Pause

Whistler

Ankunft in Cache Creek

22.6.2012                     Kilometerstand:  40 084  km

noch ein Becher Kaffee, dann kann’s losgehen

Nachdem unser heutiges Ziel, Williams Lake, nur knapp über 200 Kilometer entfernt ist, haben wir alle Zeit der Welt den strahlenden Sonnenschein (thank you Robert & Wendy!) zu genießen und die Tempolimits einzuhalten.

heute kein Problem!

In „100 Mile House“ legen wir einen Zwischenstop ein. Edith fragt eine Kindergärtnerin, die gerade mit ihren Schützlingen vorbei kommt, nach einem schönen Café, wo man im Freien sitzen kann. Bereitwillig gibt sie uns Auskunft und erklärt den lieben Kleinen dann, dass unser Moto das Nummernschild ihrer Heimatstadt Höchstadt trägt, die sie vor sieben Jahren verlassen hat um nach Kanada auszuwandern.  Als wir unseren Kaffee ordern, entdecke ich etwas Verrücktes:

„Several guys from Petersborough, Ontario, dressed up their truck with a guy tied up to the roof. The driver and passengers put on moose head costumes. As they drove down the main street of Petersborough they caused about six accidents. They were charged with Public Mischief and having open beer in a vehicle! – Petersborough cops have no sense of humor!“

mal anders rum!

Nachdem wir bereits um 13 Uhr in Williams Lake eintreffen, machen wir uns nach Bezug unseres Motels auf den Weg die nähere Umgebung zu erkunden. Bergauf, bergab führt die Straße in sanften Schwüngen durch meist dichte Nadelwälder zu den Ufern des Fraser Rivers, der bei Vancouver in den Pazifik mündet.

Fraser River

Dort treffen wir einen Präriehund, der sich bald darauf mit schrillem Pfiff von uns verabschiedet.

Präriehund

Lake Williams

Auf einer kleinen Insel im Lake William finden wir das vollendete Werk eines Bibers und treffen bald darauf eine Hirschkuh, die uns erstaunlich nahe heran kommen lässt.

beneidenswerte Zähne!

Wahrzeichen von Williams Lake

Leider findet das viertägige Rodeo-Fest erst nächste Woche statt und so lange können wir nicht warten.

23.6.2012                       Kilometerstand:  40 348  km

Über unseren heutigen Reiseabschnitt auf dem Cariboo Hyw nach Prince George gibt es nicht viel zu berichten. Die Fahrt geht bei herrlichem Wetter und angenehmen Temperaturen meist durch dichten Wald, der gelegentlich den Blick auf den majestätisch dahin fließenden Fraser River freigibt. Trotz vieler Warntafeln sehen wir heute weder Elche noch Bären, dafür reichlich Bärenfutter (Kühe und Pferde). Prince George, eine 85 000 Einwohner zählende Stadt, zeichnet sich dadurch aus, dass es weder ein Zentrum noch sonst irgend etwas Sehenswertes gibt.

24.6.2012                      Kilometerstand:  40 609  km

Bei gewohnt schönem Wetter starten wir Richtung Dawson Creek zu unserem Tagesziel Fort St. John auf dem Hwy 97. Die Landschaft ähnelt immer mehr dem Bild, das wir von Kanada hatten. Die Straße windet sich einen Pass hinauf durch tiefe Wälder, rechts und links zahlreiche einsame Seen. Wir fahren im Tal des Pine River auf Dawson Creek zu, der „Mile Zero“ des Alaska Highway.

Hwy 97 nach Dawson Creek

25.6.2012                      Kilometerstand:  41 111  km

Seit gestern fahren wir auf dem berühmten Alaska Highway. Initialzündung für den Bau dieser Straße war der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor im Dezember 1941. Die Kanadier, über deren Territorium die Trasse zum größten Teil führt, stimmten dem Projekt der USA unter der Bedingung zu, dass diese Straße nach Kriegsende in ihren Besitz überginge.  Der Verlauf orientierte sich an bereits vorhandenen Wegen der Ureinwohner und an bestehenden Landepisten. Mit über 10 000 Soldaten wurde im März 1942 mit dem Bau begonnen, der bereits im Oktober des gleichen Jahres vollendet werden konnte. Der Alcan Hwy (Alaska-Canada), wie er auch genannt wurde, ist 2 288 km lang und verbindet den Süden von British Columbia mit Alaska. Er beginnt mit „Mile 0“ in Dawson Creek, BC und endet in Delta Junction, Alaska mit der historischen „Mile 1422“, wo er auf den Richardson Hwy trifft, die damals sehr wichtige Verbindung nach Fairbanks. Der Highway, der zunächst als raue Schotterpiste über Stock und Stein führte wurde im Lauf der Jahrzehnte ständig verbessert und ist heute durchgehend asphaltiert. Auch der Verlauf wurde optimiert, so dass der Highway heute etwa 60 Kilometer kürzer ist als zu Beginn. Mit dieser Optimierung verschwand auch der sogenannte „Selbstmordhügel“ bei Kilometer 233 vor dem ein Schild warnte: „Prepare to meet thy Maker!“ (Mach dich bereit vor deinen Schöpfer zu treten!)

Alaska Highway

Wir meistern auch diesen Streckenabschnitt ohne Probleme. Beiderseits des Highways sind auf einer Breite von etwa 40 Metern die Bäume gefällt und eine Wiese angelegt, was nicht nur die Waldbrandbekämpfung sondern auch die Beobachtung von Tieren erleichtert. Die Fahrt ist zwei Stunden wenig abwechslungsreich, bis sich uns nur wenige Meter vom Straßenrand entfernt eine Schwarzbärenmutter mit ihren beiden Jüngsten präsentiert. Während die Kleinen, als wir anhalten, mit affenartiger Geschwindigkeit einen in der Nähe stehenden Telefonmast erklimmen, bleibt die Bärin, nachdem sie uns nur kurz mustert, ganz „cool“ und grast weiter. Auch dass ich aus Sicherheitsgründen den Motor weiter laufen lasse, kann sie nicht aus der Ruhe bringen. So haben wir ausreichend Zeit das Treiben der Drei zu beobachten und auch einige Fotos zu schießen. Ein berührendes Erlebnis, das es uns erleichtert, den wenig später einsetzenden wolkenbruchartigen Regen 50 Kilometer lang zu ertragen. Nach knapp 400 km beziehen wir unser Quartier in Fort Nelson.

Mama Schwarzbär mustert uns

schnell auf den Telefonmast!

und wieder runter

lässt sich nicht stören

Gefahr vorbei?

Abendessen auf improvisiertem Tisch

26.6.2012                     Kilometerstand: 41 393  km

Es geht auf die Rocky Mountains zu, die Landschaft wird immer interessanter und abwechslungsreicher. Bald zeigen sich in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Rockies. Als wir einen gar nicht besonders hohen Pass erklimmen sinkt die Temperatur trotz strahlender Sonne auf empfindliche 10°C. Besonders Glück haben wir heute mit dem „Wildlife“. In größerer Zahl sehen wir Bisons, Braun-, Schwarzbären, Elche, Stone-Sheep, leider auch einen überfahrenen Bären und Elch. Die Bilder sollen für sich sprechen.

Stone Sheep, eine Unterart des weißen Dall Sheep

Beim Bau des Alaska Hwy. 1942 fuhr ein Bulldozer einen Pfosten mit Hinweisschildern der Entfernung zu verschiedenen Orten entlang des Highways um. Daraufhin bekam Army PFC (Gefreiter) Lindley den Auftrag neue Schilder aufzustellen. Um seinem Heimweh Ausdruck zu verleihen fügte er dem ein Schild mit dem Hinweis auf die Entfernung seines Heimatortes, Danville Illinois, hinzu. Daraus entstand im Laufe der Jahre und Jahrzehnte der Brauch hier weitere Schilder anzubringen. Mittlerweile zieren über 77 000 Schilder aus aller Herren Länder diesen „Wald“.

27.6.2012                                                                                                                                                   Kilometerstand:  41 998  km

Bikerfreunde aus Florida und Kalifornien, die wir gestern erstmals auf der Strecke getroffen und mit denen wir den gestrigen Abend verbrachten, treffen wir heute wieder auf dem Highway und fahren lange Zeit miteinander. Auch ein Paar auf einem „Goldwing“ Trike mit Anhänger gesellt sich zu uns. Uns eint das gemeinsame Ziel zunächst Dawson City, dann Fairbanks zu erreichen. Das Wildlife zeigt sich heute etwas bedeckt, nur einen Elch und zwei Bären bekommen wir zu Gesicht. Der Elch, ein männliches Tier mit imposantem Geweih, überquert gerade einen See. Für ein Foto sind Lichtverhältnisse und Entfernung leider nicht optimal. Die beiden Bären treffen wir zum Anfassen nahe am Straßenrand. Stundenlang fahren wir durch wunderbare Landschaften mit hunderten herrlicher Seen, vor uns die schneebedeckten Gipfel der Rockies.

eine der mit dem Motorrad problematisch zu befahrenden Metallbrücken

unsere zufällig zusammengewürfelte deutsch-amerikanische Truppe

George aus Florida war als GI in Bamberg und kennt Bayern aus dem „ff“

Mittagspause im illustren Kreis

Ankunft in Whitehorse

28.6.2012                       Kilometerstand:  42 442  km

Whitehorse ist mit 27 000 Einwohnern die größte Stadt und Sitz der Provinzregierung des Yukon Territorry. Sie war zu Zeiten des Goldrausches 1896 bis 1898 und beim Bau des Alaska Highways 1942 wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Logistikstelle.

Der Name der Stadt leitet sich von der Gischt der Stromschnellen des Yukon ab, die an die Mähnen weißer Pferde erinnerte. Mittlerweile ist die ungestüme Wildheit des Flusses, dessen Wasserpegel derzeit fast auf Straßenniveau liegt, durch ein Kraftwerk gezähmt. Eigentlich gibt es über diesen Ort sonst nichts wirklich Interessantes zu berichten, weshalb wir uns schon früh auf die Socken machen, da unsere nächste Etappe, die Goldgräberstadt Dawson City, knapp 550 km entfernt liegt. Das Wetter ist ausgesprochen freundlich, die Straße trocken, so gut wie kein Verkehr, nichts spricht gegen einen perfekten Fahrtag. Wir passieren Carmacks, von wo aus unsere Freunde aus Kalifornien und Florida heute früh gestartet sind. Bei km 424 des North Klondike Hwy warnt nicht wie sonst ein Schild „Loose Gravel“, Tempolimit  70 oder 80 km/h. Der Schotter hat die gleiche Farbe wie der Asphalt zuvor und es ist nicht zu erkennen, dass er über die gesamte Straßenbreite auf einer Strecke von über 100 m sehr tief und locker ist. Wie auch immer, die Fuhre gerät ins Schlingern und ist nicht mehr abzufangen, das Moto wirft uns kurzer Hand ab wie beim Rodeo. Das Nächste woran ich mich erinnere ist das hübsche Gesicht der Notärztin, die mich fragt ob sie mein Poloshirt aufschneiden dürfe. Welch eine Frage? Laut GPS sind bis dahin etwa zwei Stunden vergangen. Die zweimotorige Maschine startet von einer Piste neben der Fahrbahn und landet nach fast 1 Stunde im 280 km entfernten Whitehorse, wo wir heute Morgen voller Elan gestartet waren.

8.7.2012

Für heute war eine Party bei Fred und Kerry in Anchorage geplant. Statt dessen liegen wir den elften Tag im General Hospital von Whitehorse. Die Intensive Care Unit konnten wir mittlerweile verlassen. Als ich die Preise für den Aufenthalt hier hörte wäre ich ja fast erneut ins Koma gefallen. Auf der ICU kostet der Tag pro Person 6 500 Can. $ (reine Pflege, keine Behandlung!), auf der Normalstation 4 300 Can. $! Darauf kommen dann noch dem angemessene Arzthonorare. Von den Ärzten Dr. Tirschmann und Frau Dr. Samuelson fühlen wir uns ausgesprochen gut betreut, wenngleich wir ihre Bekanntschaft lieber auf anderem Wege gemacht hätten. Auch wenn das sehr freundliche, willige und kompetente Personal ständig um uns bemüht ist, wären wir lieber heute als morgen auf dem Heimflug, was sich leider aber sicher noch fast 14 Tage hinziehen wird. So gern man natürlich auf eine solche Erfahrung verzichten würde, so ergreifend ist es die Zuwendung zu erleben, die einem in einer solchen Situation von allen Seiten und oft völlig unerwartet zu Teil wird. Ich spreche hier nicht vom unermüdlichen Einsatz unserer Kinder, den wir gar nicht hoch genug einschätzen können. Ich habe Patric gebeten im Blog das vorläufige Ende der Tour bekannt zu geben und einige Mails zu versenden. So erfahren Paul und Kathy, die gerade ihre Inside Passage beendet haben, von unserem Malheur. Sie setzen sich sofort mit uns in Verbindung und es ist für die Beiden keine Frage, dass sie ihre Route ändern um auf dem kürzesten Weg nach Whitehorse zu kommen, uns helfen zu können. Sie unterbrechen ihre Reise für drei Tage und sind uns organisatorisch und psychisch eine wirklich riesige Hilfe. In der Zwischenzeit hat Gunnar (Dr. Tirschmann) die Mounties im 280 km entfernten Pelly Crossing dazu veranlasst das Moto auf dem eigenen Trailer nach Whitehorse zu bringen und mir damit Transportkosten von 1000 $ erspart. Ein nicht einfach zu lösendes Problem ist der Zugang zum Internet, denn um den USB-Stick der Telefongesellschaft Bell nutzen zu können sollte man kanadischer Staatbürger sein oder zumindest ein Bankkonto in Kanada haben, von dem die Kosten abbuchbar sind. Nur Probleme! Aber auch dafür findet sich eine Lösung. Paul wird auf der Straße von Bruce, einem kanadischen Biker aus Toronto, angesprochen ob er Hilfe brauche. Paul erzählt ihm unsere Geschichte und nun schaut Bruce seit Pauls Abreise fast täglich bei uns vorbei. Dank seiner Unterstützung haben wir jetzt Internetzugang, da er der Telefongesellschaft sein Konto als Referenzkonto angegeben hat. Dieses gegenseitige Vertrauen und für einander Einstehen unter Bikern, die nichts weiter als das Faible für’s Motorradfahren verbindet, ist schon etwas ganz Besonderes. Natürlich ist unser Unfall das Tagesgespräch im Yukon Territory entlang des Klondike Hwy. So erfahren auch, George + Ann, Chuck + Kathleen sowie Russ, unsere Reisebegleiter aus Kalifornien und Florida von unserem Unglück und beschließen spontan die über 500 km von Dawson City zurückzufahren um uns auf der Intensivstation zu besuchen, unglaublich!

12.7.2012

Unfassbar für uns, hat sich Gabi spontan entschlossen von Erlangen nach Whitehorse zu fliegen um uns organisatorisch zu unterstützen und psychisch wieder aufzurichten. Obwohl sie in wenigen Tagen für einige Wochen mit Jürgen nach Alaska fliegen wird, wo die Beiden eine Motorradtour geplant haben, ist ihr diese Anstrengung nicht zu viel und sie ist davon auch nicht abzubringen. Ihr ungeheures Organisationstalent hat sie schon auf vielen gemeinsamen Motorradreisen bewiesen. So wundert es auch nicht, dass sie schon vor ihrem Eintreffen die günstigsten Flugverbindungen für das Moto herausgefunden hat. Und es wäre nicht Gabi, wenn sie nicht jede Menge Süßigkeiten mitgebracht hätte um uns aufzumuntern. Sogar an Nürnberger Lebkuchen als „Dankeschön“ für Schwestern und Ärzte hat sie gedacht. Jeden Morgen gibt es Porridge. In meinem Wörterbuch stehen zwei Bedeutungen dieses Wortes: 1. Haferbrei (so sieht es aus!) und 2. „five years porridge“ das heißt „fünf Jahre Knast“ (so schmeckt es auch!!). Also erbarmt sich Gabi unser und bringt uns aus Whitehorse’ bester Sushi-Bar ein wirklich fantastisches Sushi zum Abendessen ins Hospital. So könnte es weitergehen, aber leider muss Gabi nach vier Tagen wieder nach Hause fliegen.

Sushi im Whitehorse Hospital

In den folgenden Tagen bekommen wir noch einmal Besuch von George und seiner Gruppe, die auf dem Heimweg von Fairbanks nach Florida und Kalifornien sind. Auch Cheryl, unsere Unfallzeugin, erkundigt sich auf dem Rückweg von einem Wochenend-Hike noch einmal nach unserem Befinden. Der Heimflug am 19. Juli ist von unserer Versicherung, der Allianz, perfekt geregelt. Sie schickt Markus einen Rettungssanitäter, der vor Ort Alles bestens organisiert. So werden wir morgens pünktlich mit dem Rettungswagen zum Flughafen von Whitehorse gebracht, wo uns schon das Ambulanzflugzeug, ein „Lear Jet“ erwartet. Nachdem Edith, die nur liegend transportiert werden kann, angeschnallt ist, starten wir bei herrlichem Sonnenschein in den wolkenlosen Himmel Richtung Vancouver. Beim Flug über die Rocky Mountains bietet sich eine spektakuläre Szenerie. Wir überfliegen unzählige, tiefblaue Seen und reißende Flüsse, die sich aus zahllosen in gleißender Sonne liegenden Gletschern speisen. Von Vancouver aus geht es mit der Lufthansa nach Frankfurt, natürlich „First Class“, da man hier ausgestreckt liegen kann. Nach pünktlicher Landung geht die Fahrt weiter nach Erlangen, leider im Rettungswagen. Besonders für Edith ist es eine wahrhafte Tortur mit acht mehrfach gebrochenen Rippen auf einer Liege im Sanka über 200 km transportiert zu werden. Es ist ein Ferienwochenende und entsprechend lang sind die Staus auf der Autobahn. Um unser Leiden abzukürzen schaltet der Fahrer Blaulicht und Martinshorn ein und schafft so die Strecke bis zur Chirurgie in Erlangen in knapp zwei Stunden. Eine reife Leistung, aber sicher nicht ganz legal. Nach fünf Tagen kann ich endlich nach Hause während Edith wegen eines noch erforderlichen chirurgischen Eingriffs eine Woche länger bleiben muss.

9.10.2012

Nach fünf Wochen Hospital tauchen wir wieder ein ins „pralle Leben“ von Röttenbach. Seit dem Unfall ist jetzt ein Vierteljahr vergangen. Unsere Verletzungen sind weitgehend abgeheilt, wenngleich wir noch einige Defizite haben. Ich denke und hoffe, dass wir die mit konsequentem Reha-Sport bis Weihnachten in den Griff bekommen.

 

 

 

14 Kommentare

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  1. Kuschel

    After the hassle of entering North America may we wish you a continuing wonderful journey.

    We are thoroughly enjoying the Sperling’s „Motorcycle Diaries“.
    Bon Voyage.

    Marilyn + Dieter Kuschel

  2. Robert

    Dear Peter & Edith

    On the road again !! Really hope you enjoyed your unexpected and extended stay in Vancouver. Wendy & I look forward to reading your blog. We have requested that it not rain while you travel in Canada, however we have no control over what happens in Alaska. Bonne chance.

    Robert

  3. Paul und Kathy

    Hallo Peter und Edith,

    war eine schöne Zeit mit Euch in Vancouver.
    Freut uns sehr, dass Ihr nun auch wieder unterwegs seid.
    Ihr habt schon ein echtes Glück, gleich am ersten Tag einen Meister Petz laufen zu sehen. Bei uns ist es immer nur Kathy, die diese Burschen im Gebüsch am Strassenrand sitzen oder sich vertrollen sieht – finde ich ungerecht. Gestern auf Vancouer Island war das auch wieder so.
    Aber was solls! einer muß ja auf die Strasse acht geben 😉
    Wünschen Euch weiterhin gute Fahrt und vielleicht sehen wir uns ja wieder in Alaska.

    Servus und ‚keep the rubber side down‘

    Paul und Kathy

  4. Gerd und Helga Baer

    Liebe Frau Sperling und Herr Dr. Sperling,
    wir haben uns wieder mal bezaubern lassen von Ihren interessanten Erlebnissen und tollen Bildern von Flora und Fauna. Vieles kommt uns doch so vertraut vor und weckt Sehnsucht. Aber ich kann mich nicht beschweren, war ich (Helga) doch gerade auch „drüben“, allerdings am Atlantik bei unseren Kindern in Maine.

    Wir wünschen Ihnen von Herzen weiterhin Gute Fahrt. Have a safe trip and enjoy!
    Gerd und Helga Baer

  5. Fritz Kastellan

    Liebe Familie Sperling,

    mit Entsetzen habe ich hier im fernen New York Ihren letzten Eintrag im Blog gelesen. Ich hoffe, es ist nicht größeres passiert. Wir drücken Ihnen ganz fest die Daumen.

    Fritz Kastellan und Familie

  6. Martina Rzonsa

    Liebe Sperlings,

    ich wünsche Ihnen, daß nichts Schlimmeres passiert ist. Ich lese immer wieder mit wachsender Begeisterung Ihre Reiseberichte, es packt die Abenteuerlust!!
    Freue mich auf weitere Berichte und wünsche Ihnen alles Gute!!

    Ihre Tina

  7. Renate und Raimund Gmeiner

    Wir wünschen Ihnen beiden eine schnelle und vollständige Genesung! Ihre Berichte machen viel Spaß. Hoffentlich können Sie Ihre Tour irgendwann fortsetzen. Alles Gute!
    Renate und Raimund Gmeiner

  8. Zimmel

    Liebe Sperlings, ich hoffe ,dass es nichts Ernsthaftes ist!!! Wer durch Buenos Aires heile aus dem Verkehr kommt wird doch hoffentlich nicht in Kanada Schlimmeres erfahren haben.
    Schade dass wir uns nicht in Buenos Aires getroffen haben, denn wir waren ja ein halbes Jahr dort. Am Dazzler bin ich täglich vorbei gekommen, na das wäre eine Überraschung gewesen wenn Sie da zufällig vor der Tür gestanden hätten und wir dann für kleines Pläuschchen ins Café Biela gegangen wären.
    Durch Ihre Berichte und Bilder sehen wir dieses wunderbare Argentinien ein zweites Mal. Machen Sie ein Buch aus Ihren Erlebnissen.
    Hoffentlich können Sie Ihre Tour bald mit neuer Energie weiter machen!
    Alles Gute!! ToiToiToi
    Paula Zimmel

  9. Andersson ,Ingrid

    Hallo ihr zwei Weltenbummler,wir sind im Gedanken oft bei euch! Wir werden von eurer Familie sehr gut informiert. Wir drücken euch sehr die Daumen ,daß ihr bei jedem anfallenden Problem den richtigen Arzt und die beste Hilfe bekommt! Zum Glück ist Peter ja Arzt und läßt sich keine Märchen erzählen!! Heute wünschen wir Euch ,daß ihr die „schlimmen Tage“ schnell hinter euch lassen könnt! ! – Jörg wird am Dienstag,den 10.Juli wieder nach Kolumbien fliegen. Jetzt hoffen wir,daß ihr den kleinen “ Trost“ zu lesen bekommt. Bis bald,abrazos y mucho Amor eure Ingrid und Jörg

  10. Fritz Kastellane

    Lieber Herr Dr. Sperling,
    verehrte Frau Sperling,

    inzwischen sind auch wir auf unserer USA/Kanada-Reise in Quebeck angekommen. Wir haben natürlich täglich durch Lesen des Blogs versucht herauszufinden, wie es Ihnen geht. Eine gewisse Erleichterung machte sich nach dem heutigen Bericht Gott sei Dank breit .Man kann garnicht genug unterstreichen, wie wichtig eine gute Bekleidung beim Mopedfahren ist, ich bin da leider auch etwas leichtsinnig.
    Meine Familie und ich wünschen Ihnen eine recht rasche Genesung verbunden mit dem Wunsch, daß Sie beide bald wieder aufsitzen können (auch wenn es sicherlich eine gewisse Überwindung kosten wird).

    Ihr Fritz Kastellan und Familie, die Linke zum Gruß

  11. Uwe Hausmann

    Liebe Familie Sperling,
    von längerer WOMO-Reise zurück erfuhren wir von Ihrem Unfall. Möge das Schlimmste überstanden sein und mögen Sie bald wieder heil zu Hause ankommen. Alle guten Wünsche von uns
    Ganz herzliche Grüße
    Ihre Familie Hausmann

  12. Beatrix Wischlitzki

    Hallo liebe Sperlings!!
    Gestern habe ich von Ihrem schweren Unfall gehört und gelesen.
    Ich war sehr erschrocken und bin immer noch bestürzt.
    Es tut mir sehr leid, dass Ihr Traum so abrupt unterbrochen wurde!!

    Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie nach Ihrer Genesung einen erneuten Anlauf machen können!!

    Die allerbesten Genesungswünsche für Ihre Frau und Sie,
    herzlichst
    Beatrix Wischlitzki

  13. Wilfried Rinninsland

    Liebe Edith, lieber Peter,
    erst heute haben wir von Eurem Unfall erfahren.
    Wir wünschen Euch alles Gute zur Genesung.

    Brigitte & Wilfried Rinninsland

  14. Bruce wilson

    Checking in from Canada, one year later. I hope you’re by now back on two wheels? I keep your website in my bookmarks, so go and check to see if you’re still riding and writing. I hope all is mended and you’re well and looking fondly upon more miles with your motorcycle. So far, for me, no trips to Germany to see you. But, do write to my email and let me know how your lives are one year later.

    Bruce

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